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Synthetisch hergestelltes Cannabis zeigt Wirkung bei Arthritis

© apa/frank may

Eine Forschungsgruppe des “UK Pain Centre” der Universität von Nottingham hat eine Substanz entwickelt, die Schmerzen, Entzündungen und das Voranschreiten der Symptome bei Osteoarthritis lindern oder ganz hemmen können. Bei der Substanz handelt es sich um JWH133, ein chemisch hergestelltes Cannabinoid, das die Wirkung der natürlichen Cannabinoide nachahmen soll. Als Cannabinoide bezeichnet man die Analoga einiger Terpenphenole, die in dieser Form ausschließlich in Cannabispflanzen (Cannabis indica sowie Cannabis sativa) vorkommen.

“Millions of people are living with the severe, debilitating pain caused by osteoarthritis, and better pain relief is urgently needed. This research does not support the use of recreational cannabis use. What it does suggest is that there is potential to develop a synthetic drug that mimics the behaviour of cannabinoid receptors without causing serious side effects.”Professor Alan Silman, medical director of Arthritis Research UK

Gegenstand der Forschung

Arthrose ist weltweit die am häufigsten vorkommende Gelenkerkrankung, im vereinigten Königreich leiden etwa 7 Millionen Menschen an der Krankheit, in Deutschland sind es 5 Millionen Patienten. Es gibt viele Ursachen für eine arthrotische Veränderung der Gelenke, eine davon ist die Osteoporose (Knochenschwund), die wiederum zur Osteoarthritis führt. Man spricht immer dann von einer Arthrose wenn sich das Knorpelgewebe, das als Reibungspunkt zwischen zwei Gelenkknochen fungiert, zurückbildet und zu schmerzhaften Versteifungen bis hin zur Deformation führt. JWH133 setzt sich an den im Wirbelsäulengewebe vorhandenen Rezeptor CB2 (Cannabinoid Receptor 2) und blockiert so den Pfad der Schmerzübertragung auf direktem Wege. Dies ist revolutionär und einzigartig, da es bisher keine andere bekannte Substanz gibt, die auf diese Weise wirkt. Die bisherigen Studien waren äußerst erfolgreich, Professor David Walsh, Leiter des UK Pain Centre, hält die Forschung für: “absolut vielversprechend. Die Substanz hat das Potential zu einer neuen Klasse von Schmerzmitteln zu führen, die den Patienten zusätzliche und unterschiedliche Vorteile bringen, als die bisher am Markt erhältlichen”.

Erste Ergebnisse erst in 10 Jahren

C22H32O , JWH-133 Chemische Zusammensetzung

C22H32O; JWH-133 Chemische Zusammensetzung

Obwohl die Forschungsergebnisse durchaus vielversprechend sind und wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren voranschreiten, gehen die Experten davon aus, dass eine Pille mit der als JWH133 benannten Substanz wohl erst in 10 Jahren auf den Markt kommen wird, denn ein einzelner Wirkstoff macht noch kein ganzes Medikament. Das ist schade, denn laut Professor Alan Smith, medizinischer Direktor der Arthritis Research UK, leben “Millionen von Menschen täglich mit starken, lähmenden Schmerzen und eine bessere Entlastung ist dringend nötig”. Selbstverständlich möchte man mit der Forschung nicht den Konsum von Cannabis an sich unterstützen, aber den medizinischen Gebrauch und der Wuchs von Cannabis aus medizinischen Gründen wird immer in mehr Ländern legalisiert. Die in der Hanfpflanze vorkommenden Cannabinoide und das THC sind bereits seit Jahren bekannt für ihre vielfältige und positive medizinische Wirkung auf ganz verschiedenen Krankheitsgebieten.